Nachruf auf Prof. Dr. Leo Dempfle, Weihenstephan
Verleihung der Hermann-von-Nathusius-Medaille an Prof. Dr. Georg Thaller, Kiel
anlässlich der 76. Hochschultagung der Agrar-
und Ernährungswissenschaftlichen Fakultät der
Christian-Albrechts-Universität zu Kiel am
24. Februar 2026 in Kiel
Dynamic adaptation of “MS-SowPerf+” to
farm-specific performance variability:
A simulation-based approach
Based on the previously developed management tool, MS-SowPerf+, for performance assessment and replacement recommendations in lactating sows, a simulation study was conducted to evaluate its applicability and adaptability to different herd performance levels. Two evaluation datasets with high- and low-performance level, each comprising 300 litters, were created for this purpose. The results demonstrate that repeated application enhances the learning progress and leads to correct performance categorization in over 90% of cases. For practical implementation, an initial learning phase is required. In the conducted simulations, the best fit to the herd-specific performance level was achieved in ¿ 7 farrowing rounds, which corresponds to less than five months under practical farm conditions. MS-SowPerf+ enables the early identification of low-performing sows, supporting more targeted replacement decisions. Considering age-related performance differences within MS-SowPerf+ may contribute to improving sow longevity, supporting data-driven sow replacement decisions, and enhancing overall herd efficiency. Overall, MS-SowPerf+ provides the necessary flexibility and robustness to adapt to changing parity- and herd-specific performance levels in modern pig production to support more targeted, data-driven sow replacement decisions. Future developments, such as the integration of sow health indicators, could further strengthen its potential for precision herd management.
Seltene Erden (Rare Earth Elements; REE) – aktueller Wissensstand hinsichtlich deren Bedeutung für die Tierernährung
Etwa 80% der bekannten globalen Vorräte an Seltenen Erden (Rare Earth Elements umfassen 17 Elemente) lagern nach heutigem Wissen in China. Bereits am Ende des letzten Jahrhunderts wurden in China erhebliche Leistungssteigerungen in Fütterungsversuchen mit Lebensmittel erzeugenden Tieren erzielt, wenn das Futter mit Seltenen Erden (SE) ergänzt wurde. Andere Versuchsansteller, auch in Deutschland, konnten diese Befunde nicht immer bestätigen. Weitere Studien sind erforderlich, um zu erkennen, welche Seltenen Erden in welcher Konzentration und Kombination sowie bei welchen Tierarten nachhaltigen Einfluss auf Tiergesundheit und Leistungshöhe ausüben können. Mögliche Rückstände an Seltenen Erden in tierischem Gewebe sind aus Sicht der Lebensmittelsicherheit zu ermitteln.
Enhancing piglet welfare with hybrid rye: Assessing activity and injury rates without compromising growth performance
Due to historical concerns about contamination with ergot, rye has been used only to a limited extent in pig feed. However, advances in breeding technology have significantly reduced these risks. Rye, especially hybrid varieties, offers potential health benefits for pigs due to its high fiber content, which promotes intestinal health. This study examines the effects of adding hybrid rye to piglet feed on their health, behaviour, and performance. In the 49-day study with 384 piglets, feed treatments with different rye contents were tested: 0% rye (control), RYEL with 5%, 7.5%, 10%, RYEM with 5%, 10%, 20%, and RYEH with 5%, 20%, 40% rye in three phases on days 1–14, 15–30, and 31–49. Important behavioural and health parameters, including movement, cortisol levels, and injury frequency, were analysed. The results showed that piglets that were fed medium to high levels of rye had lower locomotor activity and fewer ear injuries compared to the control group (RYEM/RYEH, 0–4% vs. CON, 16–18%), indicating improved well-being. Interestingly, despite these behavioural changes, the addition of rye did not alter cortisol levels, a stress indicator, nor did it have a significant effect on growth performance (RYEL/RYEM/RYEH, 511–531 g/day vs. CON, 518 g/day). These results suggest that hybrid rye could be used to improve the well-being of piglets without compromising growth, providing insights for the development of sustainable feeding strategies in modern pig production.
Einflussfaktoren auf den Saugreflex von Kälbern bei Doppelnutzungsrassen in Baden-Württemberg und Bayern
Der Saugreflex ist ein wichtiges Merkmal der Vitalität neugeborener Kälber. In der vorliegenden Arbeit wird die Datenbasis zum Merkmal Saugreflex bei Brown Swiss und Fleckvieh beschrieben und verschiedene Einflussfaktoren untersucht. Dies ist die Basis für zukünftige Auswertungen zur genetischen Fundierung des Merkmals sowie der Entwicklung einer Zuchtwertschätzung. Im Rahmen verschiedener Projekte in den Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern wurde das Merkmal für die Doppelnutzungsrassen Brown Swiss und Fleckvieh erhoben. Verschiedene Varianzanalysen zeigen, dass Rasse, Geschlecht, Laktationsnummer, Kalbeverlauf, Trächtigkeitsdauer und Mehrlingsgeburt einen signifikanten Einfluss auf das Merkmal Saugreflex haben. Für Brown Swiss erwies sich die Datenherkunft, das heißt die Datenerfassung in den verschiedenen Projekten, als höchst signifikanter Einflussfaktor. Damit haben die Analysen gezeigt, dass für eine zukünftige Zuchtwertschätzung noch an der Vereinheitlichung der Merkmalserfassung gearbeitet werden muss. Es konnte ein Effekt der Rasse nachgewiesen werden, so dass weitere Schritte in Richtung einer Zuchtwertschätzung als aussichtsreich erscheinen. Am Beispiel der Rasse Fleckvieh kann die große Bedeutung des Merkmals Geburtsgewicht für den Saugreflex und die Vitalität gezeigt werden. Hier weisen die Ergebnisse darauf hin, dass Kälber mit höheren Geburtsgewichten und somit stärkerem Saugreflex die vitaleren sind.
Entwicklung der Rohproteineffizienz deutscher Milchkuhbetriebe hinsichtlich Milcherzeugung und Fütterung seit 2005 unter Berücksichtigung der Rasse und regionaler Besonderheiten als Beitrag zur Abschätzung der Umweltwirkung im Zeitverlauf
1. Mitteilung: Entwicklung der Milcherzeugung deutscher Milchkuhbetriebe in Kombination mit den Ernteerträgen und Qualitäten der Gras- und Maissilagen von 2005 bis 2022
Eine ständige Weiterentwicklung der Fütterungsempfehlungen und züchterischer Fortschritt sorgten für Leistungs- und Effizienzsteigerungen in der deutschen Milcherzeugung. Vor dem Hintergrund der Umweltwirkungen der dabei entstehenden Emissionen sollte die Entwicklung der wesentlichen Faktoren untersucht werden, die einen Einfluss auf die N-Ausscheidung von Milchkühen haben. Dazu gehören neben Milchleistung und -inhaltsstoffen auch die Ausgestaltung von Futter und Fütterung.
Insgesamt 9.698.856 Milchkontrollergebnisse aus allen Bundesländern standen als aggregierte Datensätze pro Milchkontrolle und Betrieb von 2005 bis 2022 zur Verfügung und wurden in die drei Regionen Nord-Ost (NO: MV, BB, SN, ST, TH), Nord-West (NW: HE, NI, NW, SH, RP, SL) und SÜD (BW, BY) eingeteilt. Milchleistung, Milcheiweiß- und Milchharnstoffgehalte wurden innerhalb der Regionen und innerhalb der Rassen Holstein-Schwarzbunt (SBT), Holstein-Rotbunt (RBT), Jersey (JER), Fleckvieh (FL), Braunvieh (BV) und Sonstige Rassen (SON) im Zeitverlauf ausgewertet. Weiterhin wurden 719 Jahresmittelwerte von Nährstoffanalysen von Gras- und Maissilagen aus den Jahren 2005 bis 2022 aus den Futtermittellaboren mit einer Datengrundlage von über 700.000 Einzelproben in Kombination mit Daten zu Erträgen, Temperaturen und Niederschlägen ebenfalls innerhalb der drei Regionen hinsichtlich der Entwicklung der Rohproteingehalte analysiert.
Die Auswertungen zeigen, dass bei steigenden Milchleistungen und Milcheiweißgehalten die Gehalte an Milchharnstoff im Zeitverlauf deutlich gefallen sind. Dies gilt für alle betrachteten Rassen und belegt den Zuchtfortschritt in Kombination mit der Umsetzung aktuellster Empfehlungen zur Nährstoffversorgung von Milchkühen. In der betrieblichen Grobfuttererzeugung zeigen sich relativ niedrige Ernteerträge bei der Grassilage mit sinkender Tendenz. Sowohl bei den Gras- als auch Maissilagen zeigen sich tendenziell sinkende Rohproteingehalte, die einerseits auf eine Reduktion der N-Überschüsse in der Düngung schließen lassen, aber auch den Einfluss zunehmender klimatischer Herausforderungen auf die Grobfuttererzeugung sichtbar machen. Die Ergebnisse zeigen, dass eine verbesserte Effizienz des eingesetzten Futterrohproteins im Zeitverlauf mit entsprechenden Auswirkungen auf die Emissionen zu erwarten ist. Die weiteren Auswertungen sind der Mitteilung 2 zu entnehmen.