Im vorliegenden Übersichtsartikel werden die züchterischen Möglichkeiten zur Verbesserung der Hitzetoleranz von Milchrindern die diesbezüglichen Herausforderungen und Limitierungen dargestellt. Die entsprechenden Konzepte fokussieren auf Zuchtwertschätzmodelle auf Basis bereits vorliegender Datensätze (Merkmale der routinemäßigen Leistungsprüfung kombiniert mit Klimadaten offizieller Wetterstationen), evaluieren den etwaigen Mehrwert detaillierter Stallklimamessungen und engmaschiger Merkmalserfassungen von Kühen bei jedem Melkroboterbesuch, adressieren Merkmalsreaktionen direkter physiologischer Hitzestressmerkmale (Wärmebilder, Puls, Respirationsraten, Blutzellen, Metaboliten in der Milch und im Blut) sowie die Mechanismen und Wirkungsweisen einzelner Gene, die mit Hitzetoleranz assoziiert sind. Die entsprechenden Konzepte werden auch in generationsübergreifender Perspektive diskutiert, was zwangsläufig Aspekte möglicher epigenetischer Effekte aufgreift. Bezüglich bedeutender Einzelgeneffekte wird der SLICK-Phänotyp mit den zugrundeliegenden genetischen Varianten und dem aktuellen HF-Vererberangebot ausführlich betrachtet. Hier zeigt sich die Notwendigkeit der Entwicklung von züchterischen Strategien, um HF-SLICK-Bullen zu erzeugen, die auch in übrigen Zuchtzielmerkmalen akzeptable Zuchtwerte aufweisen. Eine umfangreiche und praxisnahe Prüfung von SLICK-Genetik unter deutschen Klimabedingungen ist dringend angeraten.
Von:  Sven König1
; Elena Frenken2
; Isabella Giambra1
; Emhimad Abdalla3
; Johannes Heise3
; Kerstin Brügemann1
; 1 Institut für Tierzucht und Haustiergenetik, Justus-Liebig-Universität, 35390 Gießen
; 2 Förderverein Bioökonomieforschung e.V., 53113 Bonn
; 3 Vereinigte Informationssysteme Tierhaltung w.V. (vit), 27283 Verden; E-Mail: sven.koenig@agrar.uni-giessen.de