Agrarwissenschaftliches Fachwissen für den Tierschutz – gibt es ein Kommunikations- und Informationsdefizit?
Dieser Artikel ist Herrn Prof. Dr. Dr. Hans Hinrich Sambraus † gewidmet.
Fatty acid modulation and meat quality in Simmental bulls fed ground linseed at varying levels and durations
Consumer interest in functional foods has encouraged research efforts aimed at improving the nutritional quality of meat. In this study, the effect of linseed supplementation and supplementation duration on the fatty acid composition, oxidative stability, and sensory characteristics of meat from Simmental young bulls was evaluated. Thirty animals were allocated to a control group (CG) and two experimental groups receiving different amounts of linseed in the diet (EG1, 0.3 kg/day; EG2, 0.7 kg/day). Supplementation significantly (p < 0.05) increased the content of n-3 polyunsaturated fatty acids and decreased the n-6/n-3 ratio in both experimental groups, with EG1 showing significantly (p < 0.05) more favorable changes in nutritional indices (AI, TI, h/H). Linseed addition resulted in a significantly (p < 0.05) higher iodine value in EG1 and significantly (p < 0.05) increased fat oxidation in EG2, while the sensory properties of fresh and cooked meat were not significantly affected. The findings suggest that moderate linseed inclusion can enhance the fatty acid profile of beef while preserving its sensory attributes, supporting its role as a sustainable feeding strategy.
Lucerne stems as a fibre-rich component in the feeding
of lactating Simmental cows
As a regional forage plant, lucerne ( Medicago sativa L.) has the potential to be very productive and make an important contribution to the supply of energy, protein and structural fibre in ruminant nutrition. To be able to differentiate between these quality characteristics of lucerne, plant tips were harvested separately to obtain a protein-rich feedstuff. The fibre-rich residual plant parts (stems with leaves, referred to here as lucerne stems) were harvested, hot air-dried and evaluated in a feeding trial with lactating Simmental cows. In this study, the influence of different structural components, which were offered in a partial mixed ration (PMR), on dry matter intake (DMI), milk yield and milk composition as well as selected animal health characteristics were investigated. The control ration included 1 kg wheat straw (WS) as part of the forage portion which was replaced with 1 kg hot-air dried lucerne stems (LSH) in the experimental ration. The isonitrogenous and isoenergetic rations were fed for a period of eight weeks. Each ration was fed to a group of 14 lactating dariy cows. The average daily DMI was 23.0 kg for both groups. Only the values of the calculated ruminal nitrogen balance (WS: –21.5 g N/d versus LSH: –19.0 g N/d) showed a small but significant difference between the two rations (p < 0.0001). There were no significant differences for the milk yield traits (e.g. WS: 35.1 kg energy corrected milk yield (ECM) vs. LSH: 35.4 kg ECM). Only the milk urea content showed significant differences (WS: 210 mg/L vs. LSH: 192 mg/L). Accordingly, LSH can serve as an alternative to straw as a structural component in partial mixed rations for high-yielding cows.
Kreuzungszucht bei Mutterkühen – Auswirkungen von Rasse bzw. Kreuzung auf Mutterkuh und Kalb
In einem Projekt der HBLFA Raumberg-Gumpenstein wurde mit einer Herde von 15 Mutterkühen die Eignung von Kreuzungstieren (Fleckvieh×Angus (FV×AA) und Holstein-Friesian×Angus (HF×AA)) als Mutterkühe untersucht. Die Kreuzungstiere wurden mit Mutterkühen der Rassen Fleckvieh (FV), Neuseeland Holstein-Friesian (NZ-HF) und Angus (AA) über einen Zeitraum von 4 Abkalbeperioden verglichen. Die Belegung aller Kühe erfolgte mit einem Limousin-(LI)-Stier und die Jungrinder wurden mit 11 Monaten geschlachtet. Sowohl die Kühe als auch deren Kälber erhielten ausschließlich Grobfutter.
Die (FV×AA)×LI-Jungrinder wiesen mit 1.333 g signifikant höhere Tageszunahmen auf als alle anderen Genotypen. In der Schlachtkörperbeurteilung zeigten sich keine signifikanten Unterschiede, obwohl die (FV×AA)×LI-Tiere in der Fettklasse mit 2,86 numerisch deutlich niedriger beurteilt wurden als die (HF×AA)×LI- (3,42) und die NZ-HF×LI-Jungrinder (3,60).
Die FV×AA-Mutterkühe hatten mit 734 kg signifikant mehr Lebendmasse als die anderen Genotypen. Mit 3,78 bzw. 3,67 BCS-Punkten und 14,6 bzw. 14,5 mm RFD waren die Kreuzungskühe signifikant weniger verfettet als die AA-Kühe und signifikant stärker verfettet als die FV- und die NZ-HF-Tiere. Der Besamungsindex beider Kreuzungsgruppen lag mit 1,7 (FV×AA) bzw. 1,9 (HF×AA) deutlich günstiger als jener der anderen Genotypen. Die Kreuzungskühe wiesen mit 381 bzw. 377 Tagen die kürzesten Zwischenkalbezeiten auf und hatten signifikant günstigere Abkalbeverläufe.
Die HF×AA-Mutterkühe und ihre Nachzucht benötigten mit 0,72 ha deutlich weniger Futterfläche als die FV-, FV×AA- und NZ-HF Kühe (0,83, 0,86 und 0,85 ha).
Gesundheit, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit bei
Milchkühen: Ein Vergleich zwischen Fleckvieh,
Braunvieh und Fleckvieh × Holstein
Die Verbesserung der Tiergesundheit und die Langlebigkeit von Milchkühen in Deutschland ist ein zentrales Thema und wird weitreichend diskutiert. Neben Haltungs- und Managementfaktoren spielt auch die Genetik eine entscheidende Rolle.
Die vorliegende Studie untersucht die Gesundheit, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit von Milchkühen der Rassen Fleckvieh (FV) und Braunvieh (BV), sowie der Kreuzung aus Fleckvieh × Holstein (FVxHO) unter einheitlichen Haltungs-, Fütterungs- und Managementbedingungen. Von 2014 bis 2023 wurden die verfügbaren Daten zur Tiergesundheit, Fruchtbarkeitskennzahlen sowie die Nutzungsdauer, Abgangsalter und Abgangsursachen von insgesamt 722 Kühen (370 FV, 212 BV und 140 FVxHO) erfasst und ausgewertet.
Für die Fruchtbarkeitskennzahlen zeigten sich signifikant (p < 0,05) längere Zwischenkalbezeiten, Güstzeiten und Verzögerungszeiten für BV im Vergleich zu FV und FVxHO. Die längeren Zwischenkalbezeiten lassen sich teilweise durch eine signifikant (p < 0,05) längere Trächtigkeitsdauer erklären. Außerdem wurden beim BV mehr Belegungen für eine Trächtigkeit benötigt. Daraus lässt sich ableiten, dass FV und FVxHO in Bezug auf die Fruchtbarkeit dem BV etwas überlegen sind.
Die Auswertungen der im Rahmen des Programms zum Gesundheitsmonitoring „ProGesund“ erhobenen Daten ergaben kaum Unterschiede zwischen den Rassen bzw. der Kreuzungsgruppe. Signifikante Unterschiede traten im Bereich der Erkrankungen im Zusammenhang mit der Fruchtbarkeit auf, wobei die FVxHO-Kühe in diesem Bereich klare Vorteile im Vergleich zu FV und BV aufwiesen.
FVxHO verzeichnete die längste Nutzungsdauer und das höchste Abgangsalter, während FV die niedrigsten Werte aufwies und BV einen Wert im mittleren Bereich erreichte. Die Vorteile von FVxHO lassen sich vermutlich auf Heterosis-, beziehungsweise Kreuzungseffekte zurückführen.
Eine präzise, flächendeckende und umfassende Erfassung von Gesundheitsdaten bei Milchkühen ist entscheidend für die Verbesserung der Tiergesundheit im Betrieb und die Ausrichtung der Zucht auf gesunde und langlebige Tiere. Die Untersuchungen verdeutlichen die Notwendigkeit, diesen Prozess kontinuierlich zu optimieren und diese Daten auch in die Beurteilung der Effizienz einfließen zu lassen.